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Alexander von Humboldt – Querdenker und Globalisierer

Oktober 13th, 2010 | Posted by admin in Biografie | Persönlichkeiten

Nach Christoph Kolumbus hat wohl kaum einer in der Geschichte der modernen Welt die Geographie der Erde so weit entwickelt, wie Alexander von Humboldt. Unzählige Forschungsreisen, Expeditionen und Versuche hat der Wissenschaftler unternommen und sich dabei nicht mit einem Forschungsgebiet zufrieden gegeben, sondern gleich mehrere vereint. Man könnte sein Gebiet als „Weltwissenschaft“ bezeichnen, denn er interessierte sich für alles, was unsere Erde verändert, prägt und gestaltet. Neben Geographie kümmerte er sich auch um Geologie, Vulkanologie, Botanik, Klimatologie, Zoologie aber auch um so „menschliche“ Themen wie Ethnologie und Demographie. Dabei verlor er nie die Philosophie aus den Augen und versuchte stets das „große Ganze“ zu betrachten, sodass schließlich sein größtes Projekt den bescheidenen Namen ‘Kosmos’ trug.

Doch von Anfang an: Geboren wurde Alexander von Humboldt am 14. September 1769 in Berlin als Sohn eines preußischen Offiziers, Alexander Georg von Humboldt und der wohlhabenden Marie Elisabeth von Holwede, geb. Colomb, Tochter einer reichen und angesehenen Hugenottenfamilie. Sein zwei Jahre älterer Bruder Wilhelm sollte später genau wie Alexander weltberühmt werden und gilt als der große Reformator der Bildung und Begründer des humanistischen Schul- und Hochschulsystems. Beide Söhne genossen von Anfang an eine besondere Ausbildung: Hervorragende und angesehene Hauslehrer gaben Wilhelm und Alexander Unterricht schon bald auf Universitätsniveau. Der Vater legte dabei besonderen Wert darauf, dass die Lehrer den aufklärerischen Ansichten Kants nahestanden und nutze zu diesen Zwecken seine Verbindungen zum preußischen Königshaus und in die Freimaurerloge, der er angehörte. Bald entwickelte Alexander aber ein immer mehr hervortretendes Interesse an Naturphänomenen und begann, alles, was er draußen fand, zu untersuchen und mit den verschiedensten Substanzen zu experimentieren. Beide Brüder studierten an der Universität Göttingen, die als aufklärerisches Zentrum Deutschlands galt. Dort fand Alexander von Humboldt endlich seine Gefährten und Vorbilder und lernte den renommierten Naturforscher und Reisejournalisten Georg Forster kennen, der schon an der zweiten Weltumseglung James Cooks teilgenommen hatte. Mit ihm zusammen unternahm er 1790 seine erste Forschungsreise von Mainz über England nach Paris.

Foto: Chris Lancaster

1791 schlug er seinen Weg in den Staatsdienst ein und befasste sich fortan mit dem Bergbau. Er erforschte Grubenwetter, Gase und die Pflanzenwelt unter Tage und erfand einen Vorläufer der Gasmaske für die Bergarbeiter. Zudem gründete er – wahrscheinlich auch unter dem Einfluss seines auf eine Bildungsreform pochenden Bruders Wilhelm – die erste deutsche Berufsschule und bildete die Bediensteten der Bergwerke in Mineralienkunde, Bergrecht, Maschinen- und Kompasskunde aus. Nebenbei besuchte er die Universität Freiberg und erforschte selbstständig weitere Naturgegebenheiten – dabei unternahm er auch immer wieder medizinische Selbstversuche und testete beispielsweise die Wirkung verschiedener Substanzen wie Zink und Silber auf Muskel- und Nervenfasern, indem er sie sich auf künstlich hinzugefügte Wunden träufeln ließ oder er probierte aus, wie lange er es in Gruben mit bestimmten Gasgemischen aushielt, bevor er ohnmächtig wurde. Nachdem er schließlich bis zum Oberbergrat befördert worden war, stieg er 1798 aus dem Staatsdienst aus, als seine Mutter verstarb und er zu einem reichen Erben wurde.

Er begab sich zunächst in das damalige Wissenschaftszentrum Paris, wo er mit vielen Vorträgen und Debatten sein Renommee ausbaute und schließlich seinen späteren Reisegefährten, den fachkundigen Aimé Bonpland traf. Mit ihm brach er 1799 zu seiner ersten wirklich großen Expedition auf und quer durch die Wirren der französischen Revolutionszeit führte es ihn zunächst – zu Fuß – nach Spanien. Von dort aus startete er auf dem Seeweg nach Südamerika und befuhr dort u.a. den Amazonas, wo er unter widrigen Umständen Pflanzen, Tiere und das Klima erforschte. Alexander von Humboldt war sich nie zu schade, alle Strapazen für die Wissenschaft auf sich zu nehmen und schon auf seiner ersten großen Reise war er wochenlang nur in einem ausgehöhlten Baumstamm im Dschungel unterwegs, ließ sich von Moskitos fast auffressen und sein Gefährte Bonpland entkam nur knapp dem Fiebertod. Weitere Expeditionen folgten, unter anderem nach Nordamerika, Indien, Tibet und Russland, unterbrochen von längeren Aufenthalten zur Dokumentation der Ergebnisse und dem Verfassen seiner Werke. Er pflegte Kontakte zu Herder, Goethe und Schiller, zu Thomas Jefferson und war bei viele Monarchen beliebt. So wurde er wegen seines Verhandlungs- und Kommunikationsgeschicks oft von Königshäusern auch zu diplomatischen Reise geschickt. 1830 kehrte er schließlich nach Berlin zurück und musste seinen Forschungsdrang schließlich wegen seines Alters und seiner Verpflichtungen bei Hofe unterdrücken und reiste nicht mehr. Am 6. Mai 1859 starb er in Berlin.

Besonders auffällig aber auch charakteristisch ist, dass er seine großen Werke nie abschloss. Er war jedoch auch der Ansicht, dass die Forschung niemals abgeschlossen und Erkenntnisse niemals Besitz sein konnten, sondern sämtliche Wissenschaft nur eine ständige Entwicklung sei. Er hatte stets großen Respekt vor dem „Lauf der Dinge“ und war mit seinen weltweiten Erfahrungen und seinen interkulturellen Fähigkeiten vielen engstirnigen Politikern und Monarchen weit voraus. Zu seiner Zeit war er wohl einer der Personen mit buchstäblich dem weitesten Horizont.

Alexander von Humboldt war ein Querdenker, der wissenschaftliche Erkenntnisse mit philosophischen Gedanken zusammenführte und so versuchte, die Welt zu verstehen. Man kann ihn heute ohne Zweifel als einen Vordenker für die Globalisierung bezeichnen.

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