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Prager Frühling

Oktober 25th, 2010 | Posted by admin in Allgemein

Der Prager Frühling steht wie kaum ein anderes Ereignis in der Geschichte für die sture Entschlossenheit der Sowjetunion, seine kommunistischen Leitlinien in allen Staaten des Ostblocks durchzusetzen – wenn nötig mit Gewalt. In den 1960er Jahren stand die tschechoslowakische Wirtschaft am Abgrund. Die zentralistische Planung hatte sich als völlig ungeeignet und fatal erwiesen. In der Gesellschaft rumorte es. Als Alexander Dubcek Mitte 1968 neuer erster Sekretär der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei KPC wird, startet er mit seinen Regierungskollegen alsbald ein Demokratisierungs- und Liberalisierungsprogramm. Mit diesem Programm sollte die Planwirtschaft zugunsten einer sozialistischen Marktwirtschaft zurückgelassen werden. Viel wichtiger noch, sollte es einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ geben. Es sollte ein sozialistisches System geschaffen werden, das nicht einem bürokratischen Selbstzweck diente und in dem der Mensch im Zentrum aller Tätigkeiten stand. Ein Ziel, dass bei der Obrigkeit in der Sowjetunion nicht besonders gut ankam. Als konterrevolutionäre aktivitäten werden die Reformbemühungen in der Tschechoslowakei wahrgenommen. Erste Gespräche (mit und ohne Teilnahme von Vertretern der Tschechoslowakei) brachten wohl nicht das gewünschte Ergebnis.

Jedenfalls sahen sich die Sowjets gezwungen zu handeln und so marschierten in der Nacht um 21. August 1968 Truppen des Warschauer Paktes aus der Sowjetunion, Polen, Ungarn und Bulgarien in Prag ein. 98 Tschechen und Slowaken kamen beim Einmarsch ums Leben, ebenso wie 50 Soldaten der Interventionstruppen. Die KPC beschloss ihrerseits in dem Wissen einer Übermacht gegenüberzustehen, keinen militärischen Widerstand zu leisten. Die Zivilbevölkeung indes ließ sich den Ungehorsam nicht nehmen. Während Dubcek und andere Regierungsmitglieder festgenommen und nach Moskau gebracht wurden, erwies die der zivile Widerstand so aktiv wie kreativ. Bürger bemalten Ortsschilder, dreht sie um oder demontierten sie gar, um die Truppen die Orientierung zu nehmen. Trotz des Widerstandes behielt behielt Moskau die Oberhand. Am 23. August wurde die faktische Aufgabe aller Reformbemühungen in der Tschechoslowakei erzwungen. Dubcek und Präsident Svoboda kamen zurück nach Prag und mussten ihr Scheitern eingestehen.

Als Folge flüchteten eine Vielzahl an Tschechen und Slowaken aus dem Land. Ein wirtschaftlicher und politischer Aderlass für die sozialistische Republik.

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